Merkmale
Der Stängel der Pechnelke erscheint oft rötlich. Er ist unter den Knoten mit einer klebrigen Beschichtung versehen. Es bilden sich grundständige Blattrosetten. Die Blätter am Stängel sind kleiner, sie stehen gegenständig, sie sind wie die grundständigen Blätter schmal-lanzettlich. Die Blüten stehen in einem traubig-rispigen Blütenstand. Die Blüte ist doppelt fünfzählig. Der rötliche Kelch ist mit Nerven versehen. Die fünf purpurrosa gefärbten Kronblätter sind am Ende oft leicht eingebuchtet, sie haben innen ein drei Millimeter hohes Nebenkrönchen. Es kommen zweihäusige oder einhäusige Pflanzen vor. Bei den weiblichen Blüten dominieren die fünf Griffel, bei den männlichen Blüten sind die zehn Staubblätter deutlich zu sehen. Bei den zwittrigen Blüten sind Griffel und Staubblätter vorhanden. Es entsteht eine Kapselfrucht, die im vertrockneten Kelch eingeschlossen ist. Darin befinden sich zahlreiche winzige, rotbraune Samen.
Besonderheiten
Der lateinische Artname viscaria ist von den lateinischen Wörtern viscarius („klebrig“) oder viscum („Vogelleim“) abgeleitet. Der Name Pech bezieht sich auf die klebrige Beschichtung am Stängel. Diese stellt ein wirksamer Schutz der Blüte vor kriechenden Insekten wie Blattläuse dar. Die Klebwirkung ist so stark, dass Insekten festgeklebt werden und dabei verhungern. Das Nebenkrönchen ist eine Schutzbarriere der Blüte für kriechende Insekten. Die Pechnelke wird hauptsächlich von Schmetterlingen bestäubt. Die Verbreitung der Samen erfolgt über den Wind, wenn die sich die reifen Kapseln öffnen, oder durch das Anhaften an Tierfellen.
Verwendung
Die Pechnelke ist eine beliebte Pflanze in Stein- oder Wildpflanzengärten. Nach einem Forschungsbericht von Wissenschaftlern des Instituts für Landwirtschaftliche Botanik in Bonn sind die Samen der Pechnelke mit einem pflanzlichen Hormon angereichert. Dieses fördert das Wachstum anderer Pflanzen. Wenn Weizen- oder Roggen-Saatgut mit einem entsprechenden Extrakt behandelt werden, können damit die Erträge gesteigert werden.
Verbreitung und Gefährdung
Die Pechnelke kommt nicht so häufig vor, in der Schweiz wächst sie im Wallis oder im Tessin. In Österreich findet man sie im Flachland, aber auch im Gebirge bis auf 2000 Höhenmeter. In Deutschland gibt es Vorkommen im Bayerischen Wald, in Sachsen, im Harz oder im Pfälzerwald. Der Bestand ist regional an einigen Standorten in Gefahr, deshalb sind die wild wachsenden Pflanzen je nach Gebiet gesetzlich geschützt.
Fotos zur Pechnelke
Vergleich mit anderen Arten
Bei der Kartäuser-Nelke sind die Kronblätter gezähnt, sie hat keinen klebrigen Stängel. Bei der Heide-Nelke sind die Kronblätter weiß punktiert, das Zentrum der Blüte erscheint hell, es ist von einem dunkelroten Ring umgeben. Die Rote Lichtnelke hat viel breitere Blätter, die zweilappigen Kronblätter sind ohne Zähnung.
Fotos zum Vergleich
Hinweis: Die Fotos wurden mit gezüchteten Pflanzen im eigenen Garten erstellt.